Bilderbuchlandschaften im Sturm
Symphonie Orchester Crescendo München spielt Rossini, Brahms und Sibelius
VON EVELINE SILKENSTEDT
Herrsching – Es gastierte als Unicef-Botschafter der Stadt München in Paris, präsentierte in der Tonhalle Zürich, einem der besten Konzertsäle der Welt, seine musikalische Gestaltungskraft und ist seit Jahren eine geschätzte Konstante der Konzertveranstaltungen der Volkshochschule Herrsching: Heuer kann das von Konrad von Abel gegründete Symphonie Orchester Crescendo München auf 25 Jahre intensive Nachwuschförderung zurückblicken, die seit 2000 der renommierte Fagottist und Dirigent Alejandro Vila als künstlerischer Leiter des Ensembles mit Verve und Leidenschaft betreibt. Beides war zu spüren während des Jubiläumskonzerts am Sonntag im Haus der Bayerischen Landwirtschaft, das Gioacchino Rossinis Temperament, Johannes Brahms stete Schwermütigkeit, wenn auch diesmal der leichteren Art, und die Virtuosität eines Jean Sibelius trefflich charakterisierte. Dessen Konzert op. 47 inspirierte den im Landkreis kaum bekannten Geigensolisten Georg Pfirsch und das Orchester zu beeindruckend harmonischen Höhenflügen, die das begeisterte Publikum mit stürmischen, lang anhaltenden Ovationen honorierte.
Die Nachwuchsmusiker des bis zu 90-köpfigen Orchesters hatten die Probentage bestens genutzt, um ein Gespür für den Freiheitsgedanken des Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell in Rossinis gleichnamiger Oper zu entwickeln. Während das Werk der Länge wegen kaum aufgeführt wird, wurde die Ouvertüre mit dem dynamischen Kavallerieritt-Finale ein klassischer Ohrwurm. Langsam und zurückhaltend öffnete das Orchester eine Schweizer Bilderbuchlandschaft und ließ einen gewaltigen Sturm mit der Kraft von Blechbläsern und Schlagwerk darüber hinweg fegen.
Hörgenuss verspricht Sibelius Violin-Konzert Nr. 1 in zweierlei Hinsicht – wegen der außergewöhnlichen Klangbilder und der geforderten Virtuosität des Geigensolisten. Georg Pfirsch, unter anderem Sieger beim Bundeswettbewerb bei Jugend musiziert, überzeugte nicht nur mit rasanten Tempi, präzise intonierten Doppelgriffen und akrobatischen Staccati. Seine feinfühlige, sangliche Lyrik im Adagio zog die Zuhörer ebenso in ihren Bann.
Mit Uraufführung der Symphonie Nr. 2 im Goldenen Saal in Wien feierte Brahms einen seiner größten Triumphe. Auch in Herrsching gefiel die lebendige, kontrastreich gestaltete Version von Crescendo. Die vielfältigen Impressionen der Brahmsreise nach Italien und an den Wörthersee boten reichlich Gelegenheit, mit Feinfühligkeit, Spielfreude und Homogenität zu glänzen – ein wunderbarer Abschluss.

Kommentare
Kommentar hinzufügen