Stärke gezeigt bei Schicksalsmelodien

Datum: 
Dienstag, 18. September 2007

Jugend Symphonie Orchester München erhält für Schubert-Abend in Herrsching Ovationen

Herrsching - Es hat sich schon deutlich bemerkbar gemacht, dass der Auftritt im Herrschinger Haus der bayerischen Landwirtschaft – nach Burghausen und München – am Ende einer dreitägigen Konzertreihe stand. Das Jugend Symphonie Orchester München agierte engagiert und sicher, konzentriert doch nicht angespannt, zudem gut eingespielt. Dem Argentinier Alejandro Vila, der vor sieben Jahren die Leitung des 1986 gegründeten Orchesters übernommen hat, war reibungslose Verständigung sicher und seine zurückhaltende Gestik zielte vor allem auf Präzision ab. Und die war gerade mit diesem Programm überaus schwierig, weil sie doch mit starken Emotionen und feinst ausbalancierter Farbigkeit einher gehen musste. Das Gefühl Schuberts für Klangkombination in der symphonischen Besetzung war einzigartig, erfordert in der Umsetzung aber viel Fingerspitzengefühl und dafür eben eine hohe Meisterschaft am Instrument.

Eine heikle Unternehmung daher für ein Jugendorchester, das jedoch bei gewissen Konzessionen ein überaus intensives Ergebnis hervorbrachte. Satte Klanglichkeit und ein voluminöser Klangkörper erwiesen sich hier als Lösung, weite Zurücknahmen zu ermöglichen, ohne dabei in ein allzu zartes Sinnieren zu geraten, wo eben das Orchester seine Schwächen zeigte. Für die Ouvertüre C-Dur – im italienischen Stil – D 591 waren allzu sanfte Töne ohnehin nicht nötig, hatte doch Schubert gerade in seiner Jugendzeit vitale Kraft und Frische spüren lassen. Insbesondere im Allegro gab dieser Zugriff reichlich Mittel an die Hand, pointierte Rhythmik auszuspielen im Kontrast zum kantablen Adagio mit reichem Bläsereinsatz. Einen klugen Schritt ging Vila auf dem Weg zur späteren Schubert-Symphonie mit einem reinen Streichersatz im Anschluss.

Das Adagio für Streicher von Samuel Barber (1910–1981) ist zweifelsohne ein Meilenstein in der US-amerikanischen Neoromantik. Und eine Herausforderung für jedes Kammerorchester, das in der so sehnsuchtsvollen, schmerzlichen Schicksalsergebenheit nahezu gezwungen wird, seine Seele zu offenbaren. Die jugendlichen Streicher besannen sich auch erfolgreich der dunklen Klangtiefen ihrer Instrumente, litten mit einer runden, wenn auch nicht immer zureichend präzise geformten Klangsubstanz und gaben dem Klangkörper die Plastizität, die Schuberts 9. Symphonie C-Dur D 944 so dringend nach der Pause benötigte. Dieses fast einstündige Werk in der gebotenen Qualität zu stemmen, war zweifelsohne eine Meisterleistung. Schuberts Aufrichtigkeit der feinsinnig differenzierten Empfindungen konnte zwar nur andeutungsweise eingelöst werden, doch dem Reichtum der Farbigkeit, mit betörender Melodik im Andante bereichert, wurde das Jugendorchester durchaus gerecht. Vor allem aber der großen Symphonik mit ihren raffinierten Stimmungswechseln zwischen dramatischen Verdichtungen und beschwingter Sorglosigkeit sowie volkstümlicher Heiterkeit. Leider ließ der üppige Ansatz allzu wenig Raum für eine wirkungsvolle Steigerung des Finales, sodass die Wirkung kleiner geriet, als sie es verdient hätte. Dennoch begeisterte Ovationen im nicht ganz ausverkauften Saal.

REINHARD PALMER

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